Bachflohkrebse



Was hat 14 Beine, zwei Fühler und ist grau? Natürlich eine Kellerassel! Aber um die soll es hier nicht gehen.

 

 

Ein anderes Wundertier hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Mal wieder! Und "Wundertier" meine ich gerade ironisch. Obwohl ich ihm oder besser gesagt ihnen damit Unrecht tue. Ich bin nur gerade noch etwas angefressen, weil meine Hakenköder offensichtlich zu weich waren. Soll heißen, nach zwei Stunden musste ich damit rechnen, dass sie restlos vertilgt sind. Verantwortlich für meine Misere sind unzähliche, hungrige Bachflohkrebse. Die Vorstellung ohne Köder zu angeln ist nicht gerade die Beruhigenste. (Scheiß Wundertiere!)

 

Also Segen oder Fluch?

Es wird mir wohl keiner übel nehmen, wenn ich euch die Antwort schuldig bleibe. Sie variiert sowieso und bleibt letzten Endes Ansichtssache. Ich verschuche einfach mal meine Erfahrungen über diese kleinen Krabbeltiere mit euch zu teilen. Ich bin mir sicher ihr werdet eure Antwort finden.

Ich habe mich extra nicht im Internet informiert, daher gibt es hier auch keinen lateinischen Namen. Nur jahrzehntelange Erfahrungen.

Also sie schwimmen im Wasser und krabbeln bzw. springen wie ein Floh an Land. Letzteres scheinen sie sogar freiwillig zu tun. Es ist ganz normal die Minnikrebse unter Steinen in Ufernähe zu finden. Und ich meine nicht die im Wasser. Passend dazu eine interessante Entdeckung von meinem letzten Angeltrip: Mitlerweile kommt mein Hund Diego immer öfter mit ans Wasser. Da er nicht überall problemlos trinken kann, steht dann neben meinem Schirm ein Wassernapf. Und genau der versetzte mich eines morgens in Staunen. Er war voll mit Bachflohkrebsen. Also nicht ganz voll, aber 30 bis 40 zogen ihre Bahnen im Kreis. Dabei stand er über 2,5 Meter vom Fluss entfernt. Wer hätte gedacht, dass sie nachts über nasse Wiesen tollen? Was war ich froh, dass mein Futter sicher in Eimern verstaut war.

Mein Futter im Wasser hatte leider nicht so viel Glück. Meine Köder wurden mutwillig zerstört. Immer wieder kurbelte ich ein leeres Haar ein. So war es natürlich schwer einen Fisch zu fangen. Dabei hatte ich meine Hakenköder im Vorfeld schon extra härter gemacht. Mit acht Prozent Eggalbumin hätte das nicht passieren dürfen.

Eggalbumin ist so ziemlich das Schlimmste, was man seinem Köder antun kann. Man erreicht eine Art Versteinerungseffekt und zerstört damit seine positiven Eigenschaften. Daher gehört diese Zutat auch nur in einen Hakenköder. Diese dienen sowieso nicht zum Anlocken, dafür gibt es Futter. Aber meine sonst so bewärten acht Prozent waren hier nicht genug. Warscheinlich aufgrund meines hohen Anteils an groben Zusätzen. Was soll ich sagen, die kleinen Monster hatten gewonnen.


Aber ich kam zurück! Dieses Mal war ich besser vorbereitet. Mein Futter war größer, damit die Lockwirkung aufgrund der Mitfresser nicht zu schnell verpufft. Ebenfalls waren meine Hakenköder jetzt größer und härter (über 10% Eggalbumin).

 

Was ist eigentlich mit anderen Ködern?

Partikel funktionieren nur, wenn die aüßere Haut nicht aufplatzt. Sobald die Bachflohkrebse einen Ansatzpunkt finden, fressen sie sich durch. Allerdings haben "verschlossene" Partikel keine nennenswerte Lockwirkung.

Pellets werden von den kleinen Krebsen geliebt. Selbst einstrumpfen hilft nicht. Sie zerfressen sogar Nylonstrümpfe!

Boilies funktionieren, wenn sie steinhart sind. Davon gibt es genug im Handel. Ach, hätte ich fast vergessen, wir wollen ja Karpfen fangen.

 

Schauen wir mal, was die kleinen Biester alles für uns machen.

Sie sind unumstritten als Nahrungsgrundlage für viele Fische ein Segen. Gewässer mit diesem Bonus beherbergen immer dicke Fische. Gerade die Karpfen können diese quirligen Krebse ohne viel Mühe einsammeln. Sie verstecken sich zwar zwischen und unter Steinen und können sogar recht schnell schwimmen, aber ein Karpfenmaul ist perfekt für ihre Jagd angepasst. Wenn er den Rüssel ansetzt und saugt, gibt es kein entrinnen. Und die sonst so sicheren Zwischenräume von Steinen und Co werden zur Falle. Guten Appetit! Massephase lässt grüßen!

 

Indirektes Anfüttern:

Wie oft uns dieser Umstand in die Karten spielt kann ich nicht sagen. Vielleicht öfter als wir glauben. Und das tolle dabei, egal ob unser Futter gut ist oder schlecht, wir haben keinen Einfluss darauf, sind oft sogar unwissend.

Beim indirekten Anfüttern versammeln sich mit der Zeit immer mehr Bachflohkrebse auf unserem Spot. Irgendwann ist das Futter komplett von einer Schicht Gamarus umhüllt. Und auf einmal interessieren sich auch die Karpfen für unseren Platz. Ihnen geht es natürlich um das Lebendfutter, aber in ihrer aufkommenden Gier kann es vorkommen, dass sie den einen oder anderen Köder von uns einfach mitfressen. Ist unser Futter gut, kann es sogar sein, dass sie jetzt gezielt danach suchen. Wenn nicht bleibt uns die Hoffnung, dass ausversehen ein Hakenköder genommen wird. Oft bleibt der Pechvogel dann ein Einzelfang.


 

Es beruhigt vielleicht, wenn ich den Wirkungsgrad der Bachflohkrebse etwas eingrenze. Ich kenne diese Art Plage nur von großen Flüssen und dazu ist sie jahreszeitlich begrenzt. Wird das Wasser kälter, sind sie auch weniger aktiv. Was für die Karpfen noch lange nicht gilt. Dazu spielt anscheinend der Salzgehalt eine wichtige Rolle. Da immer weniger in die Flüsse eingeleitet werden darf, sollten die Bestände von alleine zurück gehen. Wer dennoch mit ihnen Bekannschaft macht, sollte auf harte Köder zurückgreifen. Das Futter würde ich aufgrund der Lockwirkung relativ weich lassen. Wir müssen immerhin mit etwas sehr nahrhaftem konkurrieren. Also lieber etwas öfter nachfüttern!


 

Noch zwei Tipps zum Schluss: Sind eure Köder etwas zu weich, hilft viel Futter. Dadurch verteilen sich die Bachflohkrebse auf einen größeren Bereich. Wenn dadurch nur zehn Krebse anstatt 37 am Hakenköder nagen, hält er länger.

Wir wissen alle, dass ein exakt abgelegter Köder mehr Fische bringt. Kanten oder kiesige Bereiche sind im Fluss erste Wahl. Aber genau hier tummeln sich auch unsere kleinen Mitfresser. Wer den Köder etwas abseits auf Sand oder Lehm positioniert, hat länger was von seinem Köder.

Egal wie eure Antwort ausfällt, also ob Segen oder Fluch, ich wünsche euch stets einen Köder am Haar!

Lars Müller