Summer memories



Welche Jahreszeit mag der Karpfenangler normalerweise am wenigsten? Richtig, den Winter. Es ist kalt und friert, dazu kommt die frühe Dunkelheit sowie die niedrigen Wassertemperaturen. Wer denkt da nicht gerne an die warmen Tage des Jahres zurück, wo man abends schön lange am Wasser sitzen konnte.

Zu dieser Jahreszeit schaue ich mir immer gerne die Bilder der vergangenen Saison an. Ein ganz besonders Angelerlebnis vom letzten Jahr möchte ich Euch nicht vorenthalten …

Es ist ein schöner Septemberabend, als ich nach Feierabend mein Auto belade. Mein Ziel ist ein kleiner Fluss. Lars und ich haben hier seit mehreren Tagen eine Stelle vorbereitet. Voller Vorfreude mache ich mich auf in Richtung Wasser. Als ich an unserer Stelle angekommen Lars begrüße, heißt es erst mal kurz Pause machen. Wir haben heute nicht besonders viel Druck, beobachten das Wasser auf Fischaktivität und essen die Döner, welche ich auf dem Hinweg besorgt habe. Für September ist es außergewöhnlich warm, sodass wir noch mit kurzer Hose und T-Shirt rumlaufen können, trotzdem sieht man hier und da schon die ersten Blätter von den Bäumen fallen und den nahenden Herbst ankündigen. Es ist einfach richtig gutes Angelwetter.

Wir beginnen damit, unsere Ruten zusammenzubauen und die Montagen zu beködern. Im Vorfeld haben wir schon gelost, wer wo fischen darf. Das funktioniert eigentlich immer ganz gut. Ich platziere meine beiden Montagen auf unserer Seite des Flusses, Lars auf der Anderen. Über die gesamte Breite streuen wir einen Futterteppich, so kommt hoffentlich kein Fisch daran vorbei.

Nach ein paar Minuten wirft Lars die Rute, welche direkt auf der anderen Seite unter einem Busch liegt zweimal neu. Wenn man kein gutes Gefühl hat, wie die Montage liegt, würde ich das auch machen. Es kann schließlich über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Eigentlich müsste man meinen, dass nach so einer Aktion, durch den Einschlag des Bleies, erst einmal jeder Fisch weg sein müsste. Aber kaum das die Rute auf dem Bissanzeiger abgelegt ist, sehe ich im Augenwinkel die Rutenspitze nach unten schlagen. Da der Bissanzeiger noch aus ist, versuche ich mit lautem: „Da Da Da!“ Rufen darauf aufmerksam zu machen. Nachdem Lars verstanden hat, was ich von Ihm will, setzt er den Anhieb. Nach einem kurzen Drill landet der erste kleine Karpfen im Kescher. Das fängt ja echt gut an. Bis es dunkel wird, können wir noch zwei weitere Karpfen fangen.

Nun in der Dunkelheit sollte es verrückt werden. Gegen 22 Uhr, das Tageslicht ist inzwischen vollkommen verschwunden, meldet sich mein Carp Sounder mit einem ganz langsamen Run. Nach dem Anhieb wert sich mein Gegner nur kurz. Danach schwimmt er mir langsam entgegen. Ich rechne zunächst mit einem kleinen Karpfen. Als ich meine Kopflampe einschalte, kann ich meinen Gegner erst gar nicht identifizieren. Ich sehe den Fisch nur von oben. Er ist lang, hat einen dunklen Rücken und lange abstehende Brustflossen. Ich rufe aufgeregt nach hinten: „Du glaubst es nicht. Ich habe einen Graser gefangen, nein warte. Es ist ein kleiner Wels!“. Beides wäre an dem kleinen Fluss wirklich etwas Besonderes. Lars kommt dazu und schaut ebenfalls im Schein meiner Lampe auf den Fisch: „Ist das eine große Barbe?“. Wir müssen den Fisch erst einmal Keschern, um zu gucken, was wir da haben.

Als der Fisch dann vor uns auf der Matte liegt, die Überraschung. Ein Rapfen!

Er ist mit 85cm echt groß und hat süße Boilies genommen. Mein Erster überhaupt. Eigentlich gibt es die hier gar nicht. Wenn es hochkommt, werden vielleicht ein oder zwei alle paar Jahre beim Spinnfischen oder mit Köderfischen gefangen. Es ist ein ganz besonderer Fang.

 

Den Rest der Nacht bleibt es bis auf einen weiteren Karpfen ruhig.

Kurz bevor es hell wird und wir zusammenpacken müssen, fängt der Bissanzeiger von Lars an zu piepen. Während ich noch etwas verschlafen auf meiner Liege bleibe, ist er sofort bei seinen Ruten und fängt an zu Drillen. Nachdem ich kurz darauf höre: „Alex, ich glaube, ich habe auch einen Rapfen!“ bin ich sofort wach.

Tatsächlich, ein zweiter Rapfen von über 80cm! Auch für Lars ist es der erster Rapfen überhaupt. Die Fische müssen sich absolut auf unsere süßen Boilies eingeschossen haben.


Mit so etwas hätten wir am Abend vorher nie gerechnet. Mehr als zufrieden packen wir zusammen, denn leider müssen wir beide in gut einer Stunde schon wieder auf der Arbeit sein.

Jedes Jahr im Winter, bei schlechtem Wetter, denke ich gerne an solche Momente zurück. Das macht das Warten auf das neue Angeljahr erträglicher.

Ich wünsche Euch allen eine erfolgreiche Saison 2017 und ganz viel Spaß am Wasser :-)

Alex