Träumen erlaubt



Petrie, na schon was gefangen? So oder so ähnlich fängt wohl fast jedes Gespräch zwischen zwei Anglern, die sich am Wasser treffen, an. Oft genug hört man dann auch solche Sachen wie: „Hier auf der Strecke wurde letztens ein 50+ Fisch gefangen“ oder: „Was, nicht vorgefüttert und keine fischigen Boilies? So fängst Du hier nix“.

Wer kommt nicht bei solchen Infos ins Grübeln, ob die eigene Taktik noch richtig ist. Noch schlimmer wird’s, wenn die großen Fische, von denen ständig erzählt wird, auf sich warten lassen.

Zu einem meiner Lieblingsgewässer, an die es mich seit mehreren Jahren zieht, zählen Kanäle. Es sind gefühlt unendlich lange monotone Wasserstraßen. Der rege Schiffsverkehr, der dort herrscht, macht das Angeln nicht gerade einfacher.

Hin und wieder trifft man dort natürlich auch andere Karpfenangler, denen man beim üblichen Anglersmalltalk, die ein oder andere Info aus der Nase ziehen kann. Der eine rät zum Angeln vor der Spundwand, der andere schwört nur auf fischige Boilies. Oft ist es schwer zu sagen, was am Ende wirklich davon stimmt und was nicht. Die großen Karpfen, von denen ich immer gehört habe, wollte ich natürlich trotzdem fangen. Über die Jahre habe ich dort viel ausprobiert. Ich habe auf freier Strecke gefischt, in Häfen und vor langen Krautfeldern in Wendebecken.

Am Anfang musste ich mehrere Niederliegen einstecken. Es ist z.B. richtig toll, wenn in den frühen Morgenstunden ein voll beladener Kahn an einem vorbei fährt und dabei alle drei Ruten einsammelt. Fische die man verliert, weil diese an den Steinschüttungen entlang ziehen, gehören genauso dazu wie Langes Blanken. Wenn die Fische grad nicht auf der Strecke sind, kann man halt auch nix fangen ;). Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich und hin und wieder ist dann auch mal bei dem einen oder anderen Fisch, mein Rig im Maul gelandet.

Vor ein paar Wochen saß ich dann mit meinen beiden Kumpels Bili und Jens am Kanal. Es war Jens Premiere, er hatte dort noch nie gefischt. Den Abend über kamen wir natürlich auch auf die großen Karpfen die es dort geben soll, und wie wir dort so fischen, zu sprechen. Es war ein schöner Abend, an dem das Fischen für uns eigentlich eher zweitrangig war. Neben uns waren auch noch ein paar Jugendliche, welche mit lauter Musik für Unterhaltung sorgten. In der Dunkelheit legten wir uns schließlich hin und hofften, dass doch noch ein Fisch kommt.

Mitten in der Nacht meldete sich dann mit ein paar Piepsern mein Bissanzeiger. Leider hing am anderen Ende kein Karpfen, sondern ein großer Döbel. Mein Erster nach mehreren Jahren Kanalfischen.

Schnell machte ich meine Rute wieder fertig. Da ich an einer Krautbank fischte, packte ich meine komplette Montage inklusive gecrushten Boilies und dem Blei in einen PVA Sack. Da kein Mond schien, war ich mir nach dem Auswerfen nicht ganz sicher, ob ich die Krautkante überhaupt getroffen hatte. Gefühlt war der Wurf zu weit. Nach etwas grübeln, entschloss ich mich die Rute dort liegen zu lassen. Ich verstreute noch ein paar Boilies in die Richtung und legte mich wieder in meinen Schlafsack.

Am Morgen, als es schon wieder hell war, wurde ich vom schönsten Ton, den ich kenne, geweckt. Ein richtig schöner langsamer Run. Es war die Rute, welche ich im Dunkeln noch neu geworfen hatte. Mein erster Gedanke nach dem Anhieb: „Mhhh, fühlt sich nicht groß an“. Mein Gegner am anderen Ende ließ sich einfach ohne Gegenwehr ranpumpen. Als ich kurze Zeit später den Fisch das erste Mal sah, dachte ich: „Doch etwas größer wie zuerst gedacht“. Ein paar Minuten später konnte ich den Fisch ohne Probleme keschern. Als ich den Fisch dann im Netz begutachte und hochhebe, bin ich echt überrascht. So schwer hätte ich ihn mir im Drill nie vorgestellt. Der Fisch ist echt gut!


Später stellt sich heraus, dass es mein bester Kanalfisch, den ich bisher gefangen habe ist.

Über solche Fische unterhält man sich abends beim gemütlichen Zusammensitzen am Wasser mit den Freunden.

Also Träumen erlaubt, früher oder später könnte der Traum vom ganz Dicken wahr werden!

Alex