Schnelle Karpfen



Stimmt es, das man beim Karpfenangeln viel Zeit braucht? Das Karpfenangeln etwas mit Geduld zu tun hat?

Zu diesem Thema schlagen in meiner Brust zwei Herzen. Eins davon kann sehr geduldig sein. Es schreit förmlich: "Ja! Wer an schwierigen Gewässern fangen will, darf nicht sofort rumheulen!" Das Andere vertritt genau das Gegenteil: "Wozu lange warten, wenn es auch schneller geht?"

 

Es treten immer wieder Lebensumstände auf, die unsere Zeit zum Angeln rapide einschränken. Der Job, die Familie oder was auch immer. Ironischerweise habe ich gerade Urlaub, aber trotzdem nur wenig Zeit zum Fischen. Verantwortlich dafür ist ein junger Hund namens Diego. Natürlich soll er später auch für längere Zeit mit zum Angeln, aber jetzt will ich seine Geduld nicht überstrapazieren. Lange an einem Platz zu bleiben findet er einfach nur langweilig. Also bleiben mir (uns) immer nur ein paar Stunden, um einen Fisch auf die Matte zu legen. Ich will euch nichts vormachen, wer kein völlig überbesetztes Gewässer hat, muss seinen Angelplatz schon gut vorbereiten, wenn er mal eben einen Karpfen fangen will. Das Gute, um diese Jahreszeit genügen in den meisten Fällen schon zwei Tage für das Vorfüttern. Das ist allerdings nicht überall erlaubt! Das Schöne an einem Hund, man muss sowieso früh raus für den allmorgendlichen Spaziergang. So hatte ich die Tage zuvor einfach ein paar Leckerlies mehr mitgenommen. Einen für den Hund und den Rest für die armen, fast verhungerten Karpfen.

So saß ich an einem regnerischen Tag im Juli mit Diego am See. Alleine den Hund unter den Schirm zu bekommen war schon eine Herausforderung. Das große Ding war für ihn mehr als unheimlich. Aber irgendwann war es dann doch ok. Nachdem ich, nach einer gefühlten Ewigkeit (ca. einer Stunde), eine Brasse fangen konnte, wich meine Vorfreude auf einen schnellen Karpfen meiner Enttäuschung. "Das war wohl nichts!" Aus Erfahrung wußte ich, dass die Karpfen an diesem See eher selten mit den Brassen zusammen fressen. Aber ich hatte ja noch ein wenig Zeit und vielleicht war ja heute einer der seltenen Tage. Nachdem meine Montage also wieder ins Wasser flog, ging ich ein paar Meter mit Diego. Irgendwann vernahm ich ein kaum hörbares Summen. Könnte auch ein leises piepen sein. Je näher ich meinen Ruten kam, umso lauter tönte es. Als mir bewußt wurde, dass da gerade meine Spule heiß läuft, wurde auch ich schnell. Ich war heilfroh, dass Diego den Sprint ohne Gegenwehr mitlief. Immerhin hatten wir das noch nicht geübt. Da ich ihn aus Zeitgründen nicht mehr festbinden konnte, drillten wir quasi gemeinsam. Beim ersten Wasserschwall vor unseren Füßen, war nicht nur ich aufgeregt. Unser erster gemeinsamer Karpfen!

 

Und gleich ein guter Fisch. Da sag mal einer, Karpfenangeln lohnt sich nicht für ein paar Stunden.

Seit es bei mir mit dem Ausschlafen vorbei ist, erfreu ich mich immer wieder an den kleinen Ausflügen ans Wasser. In den letzten Wochen konnte ich so einige schöne Fische fangen. Wer jetzt Lust bekommen hat, in fast allen Gewässern sind die Morgenstunden unschlagbar. Meines Wissens nach ist ein Hund nicht zwingend erforderlich.

Viel Spaß!

Lars Müller