Kalte Karpfen!



Als Karpfenangler stehen wir in der Regel mit den kalten Temperaturen auf Kriegsfuß. Dabei ist es im Grunde genommen egal, ob es sich um die Außentemperaturen im Allgemeinen oder die Wassertemperatur im Speziellen handelt. Kalt bleibt kalt. Und das Eine bedingt das Andere.

Ich will nicht schon wieder rumjammern wie schlimm so ein Winter ist. (Zumal er in diesem Jahr bisher mehr als gnädig war) Ich will nicht darüber philosophieren wie schwierig es ist jetzt einen Karpfen zu fangen. Oder wie öde und trostlos alles aussieht. Ich will mich nicht beklagen über die Stunden ohne Fisch. Ich will nicht rumheulen, wegen der kalten Füße. Oder der roten, zitternden Hände wenn sie doch mal einen Fisch halten durften. Ich will die kalte Jahreszeit in einem anderen Licht beschreiben. Für einen Moment will ich alle negativen Assoziationen verdrängen und zeigen, was sich für Chancen hinter dieser düsteren Zeit verstecken.

Wenig Futtereinsatz

Jetzt lautet die Devise, weniger ist mehr. Während wir in den wärmeren Monaten kaum mit der Produktion für genügend Futternachschub hinterher kommen, können wir uns jetzt gemütlich zurück lehnen. Die Futterration, die sonst gerade mal für einen Tag reicht, kann unsere Zielfische jetzt über Wochen bei Laune halten. So sparen wir uns nicht nur eine ganze Menge Arbeit, wir erhalten zusätzlich ein dickes Plus auf unserem Zeitkonto und unser Geldbeutel wird auch noch geschont. Wenn das keine „Win-win“ Situation ist?

Auch mit wenig Futter kann man sich einen dicken Bauch anfressen. Diesen Fisch konnte ich bei meinem ersten Winteransitz fangen. Nach nicht mal zwei Stunden bei 4°C Wassertemperatur.

Träge Fische

Da ihr Stoffwechsel weit unten ist, büßen sie eine Menge ihrer Kampfkraft ein. Sie wirken geradezu träge. Aber wieso sehe ich das als Vorteil an? Es geht doch nichts über einen richtigen Kampf! Ich will es mal so sagen: Wir haben jetzt die Möglichkeit an Stellen zu fischen, wo es unter normalen Bedingungen (Temperaturen) unverantwortlich wäre. Damit meine ich direkt vor oder zwischen Hindernissen. Aber bitte nicht falsch verstehen, auch hier gibt es Grenzen!

Auch wenn dieser Spiegler keine Bauchflossen hat, ist er dank seiner Körperform mit Sicherheit im Drill ein harter Brocken. Jetzt konnte ich ihn ohne großes Aufsehen zu erregen von einem Hindernis wegpumpen. Es hat genau zwei Mal gepiept. Ich bin in aller Seelenruhe zur Rute gegangen, habe mich vergewissert, dass es wirklich ein Biss ist und habe ihn aus dem Gefahrenbereich geführt. Noch im Herbst wäre das unmöglich gewesen.

Zeit für sich

Gerade in der heutigen Gesellschaft (oder sollte ich lieber Leistungsgesellschaft sagen?) ist die Zeit ein kostbares Gut. Viele sehen es als überflüssigen Luxus an, wenn wir unproduktiven Tätigkeiten nachgehen. Dabei wird allzu schnell vergessen, dass der Mensch, dass wir, auch mal zur Ruhe kommen müssen. Und wenn es nur dazu dient leistungsfähig zu bleiben. Wir sind nicht gemacht für ein stresserfülltes, sorgenreiches Leben unter Zeitdruck. Zumindest nicht auf Dauer. Wer dem Job, der Familie, allen häuslichen sowie sozialen Verpflichtungen gerecht werden will, ohne dabei unter zu gehen, sollte sich ab und zu mal etwas Zeit nehmen. Zeit für sich! Und wo könnten wir diese Zeit besser finden als beim Angeln? Ganz besonders zur dieser Jahreszeit. Die frische Luft gepaart mit den kalten Temperaturen lässt uns schnell wieder einen klaren Kopf bekommen. Darüber hinaus steigt die Dankbarkeit für ein warmes Heim. Was meiner Meinung nach als viel zu selbstverständlich angesehen wird.

Gute Gewichte

…im Verhältnis zur Körpergröße. Ja, die Karpfen haben jetzt ihre absoluten Höchstgewichte. Das gilt für alle. Also auch für die Kleinen. Es ist ein Märchen, das jetzt nur noch die Großen fressen. Also die Durchschnittsgröße bleibt auch im Winter gleich, aber egal wie groß der Fisch ist, er hat jetzt aller Wahrscheinlichkeit nach sein Spitzengewicht. Für seine Größe.

Neben einigen weiteren schönen Fischen war dieser Karpfen bis jetzt mein schwerster in diesem Winter. Vielleicht ist zu erkennen, dass er neben dem kleinen Bauch auch einen recht breiten Rücken hat. Wie schon erwähnt, die Karpfen haben für den Winter vorgesorgt.

Wenig Konkurrenz

So, damit ich in Ruhe meiner Winterfischerei nachgehen kann, vergesst den ganzen Mist und bleibt mit eurem Arsch zu hause. Da ist es warm und gemütlich!

Ich wünsche euch ein frohes neues Jahr!

Und nur die Dicken!

Lars Müller