Intuition



Ich will ehrlich sein, auch ich musste die Definition nachschlagen. Laut Duden ist sie das unmittelbare, nicht diskursive, nicht auf Reflexion beruhende Erkennen, Erfassen eines Sachverhalts oder eines komplizierten Vorgangs. Ich war begeistert, wie einfach man so etwas erklären kann.

Für mein Verständnis ist Intuition mit dem Bauchgefühl gleichzusetzen. Sie ist eine Eingebung, die rational nicht zu erklären ist. Man kann sie nicht erzwingen. Sie braucht Erfahrung, Wissen, Zeit und Ruhe.

Handelt ihr intuitiv? Hört ihr auf die innere Stimme aus eurem Bauch? Mal abgesehen vom Essen.

Ich kann es nur empfehlen. Manche sprechen in diesem Zusammenhang von „Watercraft“. Schon irgendwie geheimnisvoll. Wem man diese Fähigkeit nachsagt, der fängt in der Regel besser als Andere. Diese Ausnahmen stehen weit über dem Durchschnitt. Da, wo wir alle hin wollen. Neben ihrem immensen Fachwissen, welches übrigens am Wasser gesammelt wurde und nicht im Internet, haben sie gelernt auf ihre Intuition zu hören.

Intuition schlägt rationales Denken

Aus unserem Alltag sind wir es gewohnt, auf den zu hören, der am lautesten schreit. Genau diese (dumme) Gewohnheit steht uns hier im Weg. Unser Bewusstsein, alles was wir aktiv erleben, dazu gehört auch das rationale Denken, ist ähnlich dominant. Die Intuition hingegen entspringt dem Unbewussten. Daher ist diese Stimme sehr leise und wird durch unser bewusstes (lautes) Denken übertönt. Aber sie ist da. Sie steckt in jedem von uns. Wir müssen nur lernen sie wahr zu nehmen.

Da eine intuitive Entscheidung unbewusst getroffen wird, sind wir später auch nicht in der Lage zu erklären, wie wir sie getroffen haben. Das ist mit ein Grund warum viele ihrer Intuition nicht vertrauen.

„Nur, weil wir nicht wissen, woher unser Wissen stammt, ist es nicht weniger wahr.“ 

                                                                                                              Jan Becker

Hab ich diesen Fisch womöglich meiner Intuition zu verdanken?

Dazu gibt es natürlich eine kleine Geschichte.

…Ich hab es kommen sehen. Ein jugendlicher mit Spinnrute. Seine Würfe kamen bedrohlich nah an meine Schnüre. Bis dann endlich kam, was kommen musste. Er hat es nicht mal gemerkt. Selbst das Piepen meines Bissanzeigers ließ ihn völlig kalt. Leicht verärgert nahm ich meine Rute hoch und schüttelte den Kunstköder ab. Zunächst legte ich sie einfach wieder zurück auf den Bissanzeiger. Dann meldete sich mein Bewusstsein: „Was ist, wenn die Montage verzogen wurde? Was, wenn der Haken jetzt im Dreck hängt? Willst du die Rute nicht lieber kontrollieren? Du bleibst doch noch ne ganze Zeit.“ Je länger ich überlegte, desto mehr Gründe sprachen dafür diese Rute neu auszubringen. Aber ich hab es nicht getan. Irgendwas gab mir die Gewissheit, dass sie gut liegt. Und mein Bauch sollte Recht behalten.

Ist das nicht ein unglaublicher Spiegler? Weinrot! Einen vergleichbaren Karpfen hab ich noch nie gesehen.

Das kann dabei rauskommen, wenn man die leise, kaum hörbare Stimme ernst nimmt.

…Ursprünglich wollte ich meine Rute so lange liegen lassen, bis sich ein Fisch meldet. Dieses Vorhaben wurde zusätzlich durch einen rollenden Karpfen in der Nähe meines Köders bekräftigt. Etwas später bekam ich tatsächlich einen Pieper. Mehr nicht. Ich war mir sicher da sind Fische am Platz. Besser könnte die Rute nicht liegen. Ich weiß nicht warum. Irgendwann bekam ich ein ungutes Gefühl. Obwohl ich jeden Moment mit einem Run rechnete holte ich die Montage ein. Der Haken war verdreht. So hätte er keinen Fisch haken können. Auf genau diese Rute fing ich dann kurz darauf diesen Außnahmefisch.

Es kann ein langer Weg sein, bis wir intuitiv das Richtige tun. Aber er lohnt sich!

Spätestens nach ein paar Tagen am Wasser meldet sich meine Intuition von ganz alleine: „Fahr nach Hause! Geh Duschen! Und iss mal was Anständiges!“

In diesem Sinne „Guten Appetit!“ und „Go your own way!“

Lars Müller