Zwischen Regen und Sonne!



Ich mag es, wenn der Regen auf mein Shelter prasselt. Was mit einem leichten Knistern beginnt, steigert sich zu einem monotonen Dauerrauschen. Ich sitz entspannt auf meiner Liege und atme die frisch gewaschene Luft. Schließe meine Augen und vergesse alles um mich herum.

Einige Zeit später öffne ich die Augen und blicke fast wie in Trance auf den See. Direkt vor mir kann ich einen kleinen Vogel beim Baden beobachten. Ich muss grinsen. Scheinbar ohne Grund strömen Glücksgefühle durch meinen Körper. Akku voll!

Mir fällt auf, dass ich alleine bin. Kein Mensch weit und breit. So langsam erkenne auch ich die Vorteile von I-Phone und I-Pad. Die glücklichen „User“ sind in der Lage jeder Zeit das Wetter zu checken. Sie wussten anscheinend, dass der Regen kommt. Also besser zu Hause bleiben. Aus Spaß denke ich: „Die Karpfenangler sind auch nicht mehr das, was sie mal waren!“

Mir kommt gerade eine lustige Situation in den Sinn. Ist schon eine Zeit lang her. Dauerregen, ein Zelt, zwei Verrückte. „Sag mal, hast du hier schon mal einen Karpfen bei Regen gefangen?“ „Ja, ich hab…“ Dauerton!!! Besser hätte man die Frage nicht beantworten können.

Dieser bullige Fisch mochte den Regen ebenso wie ich. Wobei er eindeutig im Vorteil war. Sein Kämpferherz zwang mich so lange draußen zu bleiben, bis ich fast so nass war wie er. Auf dem Foto konnte ich dann, dank Wechselklamotten, schon wieder lächeln. Wer hier nicht vorbereitet ist, könnte unter Umständen eine recht unangenehme Erinnerung zurück behalten. Mit nassen Klamotten auf die Liege geht irgendwie gar nicht.

Auch dieser lange, fast schuppenlose Spiegler zog eine Nacht mit Nieselregen vor. Für so einen Fisch nehme ich gerne mal etwas Wasser von oben in Kauf. Wobei es auch anders geht. Die meisten Karpfen in verregneten Nächten fange ich genau zwischen den Regenpausen. Ein Punkt den ich nicht erklären kann, wofür ich den Fischen aber durchaus dankbar bin.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass es Gewässer gibt, wo das Wetter eine gravierende Rolle spielt? Natürlich! Das Wetter spielt immer eine Rolle. Ich meine ganz konkret auf Regen bzw. Sonne bezogen. Denn meistens beziehen wir uns auf so Sachen wie Luftdruck, Windrichtung oder Mondphasen. Auch wenn das jetzt nicht weit her geholt ist, es gibt Gewässer, da fangen wir besser bei Regenwetter und wiederum andere, da sind sonnige Tage der Schlüssel zum Erfolg. Übrigens handelt es sich dabei immer um stehende Gewässer. Und um Ausnahmen, denn bei den meisten Gewässern ist es egal. Aber bei manchen macht es den berühmten kleinen Unterschied aus. Wissen wir um solche Gewässer, können wir unsere Touren erfolgreicher planen. Sitzen wir zum richtigen Wetter am falschen See, können wir oft nur abwarten.

Letzten Endes ist Wasser von oben immer eine tolle Sache. Nicht unbedingt für unser Komfortbehagen, aber für die Schuppenträger in jedem Fall. Sauerstoff macht müde Fische munter! Das gilt ohne Einschränkungen. Also, wenn schon nicht bei Regen los, dann so zeitnah wie möglich. Einfach mal aufs Smartphone gucken!

Es ist schon paradox. So gerne ich den Regen auch mag, am liebsten fange ich die Fische dann doch bei Sonnenschein. Wer kennt nicht das wohlig warme Gefühl, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Haut erwärmen. Ganz besonders nach einer kühlen Nacht.

Wenn dann auch noch eine Rute abläuft, ist das Leben perfekt. Leider halten solche Momente nicht ewig vor.

Wenn wir den Wechsel zwischen Regen und Sonne miterleben dürfen, können wir am Horizont hin und wieder einen Regenbogen finden. Am Ende dieser Wasserfarben befindet sich ja bekanntlich ein Topf voll mit Gold. Ehrlich gesagt bin ich mir da aber nicht ganz so sicher. Selbst wenn wir diesen blöden Topf nicht finden, können wir trotzdem mit ein wenig Glück etwas Goldenes auf den Armen halten.

Lars Müller