Vorfüttern vs. Instand



Seit Beginn des Karpfenzeitalters stellen sich immer wieder diskussionswürdige Fragen. Letzten Endes fängt dann immer der mit der richtigen Antwort. Interessanter Weise wiederholen sich solche Fragen in gewissen Abständen. Trotz aufwendiger Umformulierungen behandeln sie doch immer die gleichen Themen. Nachfolgend möchte auch ich mich mit einer dieser grundlegenden Fragen beschäftigen.

 

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„Soll ich vorfüttern?“

Im Grunde genommen fällt die Antwort ganz simpel aus. Ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ genügt. Da es sich um eine Entscheidungsfrage handelt, gibt es hier ja auch nicht allzu viele Antwortmöglichkeiten. Nämlich genau zwei. Wie schon gesagt: „Ja“ oder „Nein“. Wohl weit wichtiger scheint mir da die Frage: „Wie sind wir auf so eine simple Antwort gekommen?“ Dabei soll hier nicht mal zur Debatte stehen, ob sie richtig oder falsch beantwortet wurde.

 

1 : 1

Vielleicht passend dazu einen alt bekannten Spruch zum Nachdenken: „Der Weg ist das Ziel!“ Oder müsste es in unserem Fall heißen: „Das Ziel ist der Weg?“ Bzw. „Unser Ziel gibt den Weg vor?“

 

2 : 1

In der Praxis schlägt ein gut vorbereiteter Spot die Instandfischerei um Längen. Das klingt jetzt nicht nur ein bisschen voreingenommen, das ist es sogar. In 20 Jahren Karpfenangelei kann es schon mal vorkommen, dass sich bestimmte Glaubenssätze manifestieren. Aber…! War doch klar, dass hier ein „Aber“ folgen musste. Oder?

 

3 : 1

Es gibt einige Situationen, da gewinnen die Urinstinkte der Karpfen. Dann lassen sie sich von ihrem Ziel nicht abbringen, verscheuchen oder gar wegfüttern. Haben wir das Glück und die Natur teilt eines dieser zeitlich begrenzte Ereignisse mit uns, sollten wir es nutzen. Ein paar Beispiele verdeutlichen dies auf eine etwas verständlichere Weise.

 

3 : 2

Versammelt sich zum Beispiel das Gro der Karpfen in einer Bucht, sollten wir dort fischen. So schnell wie möglich. Denn was auch immer dafür verantwortlich ist, kann sich schnell wieder ändern. Schon morgen könnten die Fische wo anders sein.

Sehen wir springende oder buckelnde Karpfen über einem Plateau oder einer Sandbank, gilt das Gleiche. Ohne vorfüttern, so zeitnah wie möglich Fischen.

Finden wir aufgewühltes Wasser und oder Blasenteppiche (die von fressenden Fischen verursacht werden), sollten wir dort Fischen. Instand!

In solchen oder ähnlichen Situationen ist die Instandfischerei dem Vorfüttern eindeutig überlegen.

 

3 : 3

Bekommen wir von Mutter Natur so ein Ass zugespielt, sollten wir es ausspielen. Bevor das Spiel vorbei ist. Selbst wenn ich einen vorher präparierten Platz befische, würde ich so ein Ass niemals liegen lassen. Ein Eisen sollte immer direkt in die Glut geworfen werden.

 

3 : 4

Genau das habe ich bei meinem letzten Trip getan. Was auch der Grund für diesen Bericht ist. Und für die bis jetzt zusammenhanglosen Fotos samt Ergebnis. Nur kurz zur Erklärung: Dunkele Wolken bedeuten, dass ich einen Fisch verloren habe. Gewertet habe ich ihn trotzdem, da es mir nur um das Verhältnis der Bisse ging. So zu sagen ein kleiner Wettkampf. Vorfüttern vs. Instand!

 

3 : 5

Zur Erklärung meiner Situation: Ich befischte eine vorgefütterte Stelle. Auf meinem Spot war zu Anfang Totenstille. Aber nicht weit von mir trieben ein paar Bartelträger ihr Unwesen. Erst habe ich noch einige Zeit gezögert, dann hielt ich es nicht mehr aus. Eine meiner Fallen wurde neu positioniert. Eine halbe Stunde später hatte ich dann meinen ersten Fisch auf den Armen. Ohne Vorfüttern!

 

3 : 6

Der nächste folgte kurze Zeit später auf meiner Futterrute. Meine Neugier war geweckt. Fortan versuchte ich aus jeder Möglichkeit einen Instandkarpfen zu machen. Auf einmal war das Angeln viel interessanter. Immer darauf erpicht verräterische Signale zu entdecken. Anschließend der innere Monolog: Ist es wirklich sinnvoll, die Rute wieder umzulegen? Herrlich!

 

3 : 7

Waren meine Überlegungen richtig, wurde ich mit nassen Händen belohnt.

 

3 : 8

Was sich in der Theorie so toll anhört, sieht am Wasser oft völlig anders aus. Meistens finden wir keine eindeutigen Zeichen. Da in solchen Situationen, abgesehen von einem „Glückswurf“, eine vorgefütterte Stelle mehr Karpfen bringt, nutze ich eine Kombination dieser beiden Strategien. Ist vielleicht ein bisschen vermessen die Vorteile beider Seiten zu vereinen, macht aber Spaß!

 

4 : 8

Einen Bericht mit dem Wort „Spaß“ zu beenden ist immer eine schöne Sache. Trotzdem möchte ich noch kurz eine Überlegung zu den altklugen Sprüchen aufgreifen.

 

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„Der Weg ist das Ziel!“ steht für alle die, die „Ja“ zum Vorfüttern sagen. Durch unser Futter bereiten wir den Weg, um später unser Ziel auf den Armen zu halten. Wir beeinflussen den Fisch!

 

5 : 9

„Unser Ziel gibt den Weg vor!“ steht für alle die, die lieber spontan angeln. Hier müssen wir uns nach den Karpfen richten. Wir lassen uns von den Fischen beeinflussen. Wer in Zukunft wen beeinflusst, müsst ihr selbst entscheiden. Ich wünsche euch die richtigen Antworten!

Als Fazit: Vorfüttern geht fast immer. Instand eher selten, dann aber richtig. Und eine Kombination ist unschlagbar!

 

5 : 10

Endstand: Meine Futterstelle brachte mir fünf Karpfenbisse, ohne vorheriges Füttern konnte ich zehn Karpfen zu einem Biss verleiten.

Lars Müller