Unbewusste Macht



Jede Ausfahrt auf einem Kutter wird von Spannung und einer Dosierung Ungewissheit umgeben. Nichts, aber auch nichts ist dabei gleich. Zu viele Faktoren spielen einfach eine Rolle.  Die erlebnisreichsten und zugleich spannendsten Ausfahrten erlebe ich allerdings immer, wenn ich in der Gruppe mit Freunden und Bekannten auf dem Kutter unterwegs bin. Ein gewisser Druck macht sich dabei immer breit.

Ist es das Streben alles immer besser und perfekter zu machen, immer wieder mehr und kapitalere Fische als beim letzten Mal zu fangen? Machen wir uns nichts vor, natürlich ist von jedem etwas dabei, man kann sich davor einfach nicht verwehren. Aber man kann etwas dafür oder dagegen tun. Unser Unterbewusstsein spielt dabei eine große Rolle.  Ich bin letztes Jahr bei einer typischen Ostseetour mit Freunden auf dem Kutter. Ich möchte Euch erzählen, wie es mir ergangen ist.

Es dauert nicht lange und wir haben den Spot erreicht. Die ersten Fische können bei meinen Nachbarn erfolgreich gedrillt werden. Es läuft ganz gut bei allen an, nur bei mir passiert merklich wenig. Nach ein paar Minuten geht es bereits los. Mein Unterbewusstsein meldet sich zu Wort und versucht mich mehr und mehr in den Wahnsinn zu treiben. Immer wieder löchert es mich mit  den gleichen Fragen. Ich werde sichtlich nervös. Wieso fängt der links und rechts neben mir einen maßigen Fisch nach dem anderen? Werfe ich weit aus fange ich nichts, mein Nachbar wirft auch dahin und wird mit einer kopfnickenden, krummen Rute belohnt. Andermal wiederholt sich das Spiel unter dem Kutter als meine Nachbarn sich mit Schraubendorschen im Drill befinden. Was hat der was ich nicht habe? Er fischt mit identischer Montage, die Rutenbewegungen gleichen sich mit den meinen. Verzweiflung macht sich breit. Endlich das erlösende Rucken auch bei mir in der Rute. Höchststrafe für mich, mein Unterbewusstsein versetzt mir einen Tiefschlag mit einem quergehakten und dazu noch untermaßigen Dorsch.

Lieben Dank an mein Unterbewusstsein, aber ich will nicht komplett untergehen. Ich will mich nicht fremdsteuern lassen, sondern selber meine Geschicke in die Hand nehmen und beginne gegen die negativen Gedanken anzukämpfen. Jetzt versuche ich so konzentriert wie möglich zu fischen und siehe da, meine Taktik trägt recht schnell Früchte. Ich belohne mich mit einem knackigen  Ostseeleopard. Positive Gedanken machen sich breit und wecken weiteren Ehrgeiz in mir. Noch mehr Leidenschaft und Einsatz sollen es richten. Mittlerweile läuft es ganz gut für mich und ich treibe mein Unterbewusstsein weiter an. Wieder hupt der Kapitän zum nächsten Platzwechsel ab, ich versuche aber trotzdem noch einen Fisch zum Landgang zu überreden. Es funktioniert. Mehr und mehr gewinne ich die Oberhand gegen mein Unterbewusstsein und steuere dies aktiv selbst. Mittlerweile befinden wir uns in den letzten Driften. Nicht mehr lange, dann ist auch diese Ausfahrt zu Ende. Ich muss und will aber mit den Kollegen gleichziehen. Nach dem allerletzten Stopp signalisiert der Kapitän das Ende der Ausfahrt. Mein Spruch war bisher immer „Schluss ist wenn er dreimal hupt“ und oft war es so. Morgens war ich von den Fängen her öfters weit hinten und zum Schluss dann aber gut dabei. Heute treibe ich es auf die Spitze. Schluss ist wenn er dreimal hupt? Nee heute nicht und erst recht nicht mit mir. Schluss ist wenn ich es meinem Unterbewusstsein sage. Ich zupfe die Montage noch ein paar Sekunden länger als alle anderen über den steinigen Grund, der Kutter setzt sich bereits zur Heimfahrt in Bewegung und yeeeeees Fischkontakt. Mein Kumpel grinst mich an und wiederholt höre ich mit einem Augenzwinkern einen bekannte Aussage von ihm: „Warum fängst Du immer erst zum Schluss an mit angeln?“

Heute ist es mir klarer als sonst. Ich habe nicht auf mein Unterbewusstsein gehört, ich habe es aktiv angetrieben. Als wir unsere Fische zählen stelle ich fest, meine Vermutung war richtig. Bis auf ein oder zwei Fische liegen wir alle komplett zusammen und nein ich habe nicht die wenigsten Fische.

Die Macht unseres Unterbewusstseins und die positive Denkweise kann Berge versetzen, aber nur wenn wir es selbst aktiv steuern. Dies hat uns schon Dr. Joseph Murphy mit seinen Denkansätzen gelehrt. Ich habe es versucht umzusetzen und wurde belohnt. Ihr glaubt mir nicht, dann probiert es doch einfach mal aus.

Wir sehen uns auf dem Kutter.

Euer DG-  Nico