Weißes Gold



Was treibt mich immer wieder an, auf der Suche nach dem weißen Gold? Ich möchte Euch einen kleinen Einblick in die Kutterangelei auf der Ostsee geben. Ist es die Sehnsucht nach Freiheit oder einfach nur der Kick der Ungewissheit? Sicherlich findet der Kutterangler von jedem etwas. Es beginnt schon beim Wetter und dem Wind. Nie kann die Strömung vorhergesagt werden. Es gilt flexibel zu sein und seine Angelmethode kurzfristig den Gegebenheiten vor Ort anzupassen.
Manchmal hilft sicherlich auch mal das zu machen, was keiner macht. Wie voll ist der Kutter mit Goldsuchern, habe ich Platz oder muss ich in beengter Situation fischen? Es sind immer wieder die gleichen Fragen, welche zu Beginn einer Ausfahrt in unseren Köpfen die Vorherrschaft übernehmen. Aber letztendlich spielen diese Fragen doch eher eine untergeordnete Rolle, denn die Sehnsucht nach weißem Gold stellt dies doch immer wieder in den Schatten.

Wenn der Kutter nach schier unendlicher Zeit endlich die ersten  verheißungsvollen Angelstellen erreicht hat und der immer langsamer fahrende Kutter einen fast in den Wahnsinn treibt ist es jeden Moment soweit. Der Kapitän hupt an, die Bügel werden umgeklappt und die Jagd auf das weiße Gold kann beginnen. Behutsam wird in Grundnähe mit dem Pilker auf Tuchfühlung gegangen. Zur Unterstützung tänzeln verführerisch ein oder zwei Beifänger etwas höher über dem Pilker. Jeden Moment kann das weiße Gold zupacken. Es ist soweit. Ich spüre einen kräftigen Schlag in der Rute und setze sofort den beherzten Anhieb. Kontakt, dass weiße Gold sitzt an meinem Haken und fordert mich mit teils ordentlicher Gegenwehr von der anderen Seite des Geräts zu einem schönen Drill heraus. Der Lohn meiner Mühe, ein wunderschön gezeichneter Ostseeleopard, das weiße Gold. Hat uns die Drift über die Stelle getrieben, hupt der Kaptän ab und das Spektakel wiederholt sich den ganzen Tag auf´s neue. Stelle anfahren, anhupen, hoffen auf weißes Gold, abhupen.

Irgendwann ist aber auch der schönste Kuttertag zu Ende und ein langer mehrfach unterbrochener Hupton signalisiert uns die Rückfahrt in den Hafen. In genau diesem Moment erfüllt mich immer ein bedrücktes, teils trauriges Gefühl und die komplette Anspannung ist wie weggeblasen. Mein Unterbewusstsein recherchiert bereits die nächsten Möglichkeiten die Planken eines Kutters zu betreten. Erst jetzt spüre ich die angenehme teils kühle Ostseeluft, den salzigen Geschmack der Luft, schaue in die endlose Weite und stolz in meine Schatzkiste. Je mehr ich zur Ruhe komme, desto mehr spüre ich auch das Brennen in den Armen und meine müden Beine. Genau jetzt weiß ich, warum ich immer wieder auf der Suche nach dem weißen Gold bin.
Innerhalb der letzten Jahre wurden die gefundenen Goldadern leider immer weniger und die Schatzkisten werden lange nicht mehr so voll, wie noch vor 10 Jahren. Es bleibt zu hoffen, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt, der Suche nach dem weißen Gold noch viele Jahre nachgehen zu können.

 

 

Wir sehen uns auf dem Kutter

Euer DG - Nico