Der Krebs!



Vor einiger Zeit saß ich mal wieder am Wasser und ließ meine Gedanken schweifen. Zeit genug hatte ich ja, denn meine Bissanzeiger waren mal wieder am Streiken. Sie hatten sich anscheinend mit den Karpfen verbündet.

Woran lag es? Viel zu oft kreist diese Frage in unseren Köpfen. Meine Überlegungen drehten sich mal wieder um unsere Köder. Genauer gesagt um deren Form. Kugeln, Dumbells oder Pellets? Die Karpfen kennen diese kleinen Leckerbissen in und auswendig. Selbst in tiefster Nacht ertasten sie die bekannten Umrisse sekundenschnell. Eine neue Form muss her! Würfel? Na gut, ist auch nicht neu.

Versuchen wir mal einen Ansatz über ihre natürliche Nahrung. Schnecken, Muscheln, …Muscheln erscheinen mir gar nicht so schlecht. Diese Form kennen sie quasi von Geburt an und haben noch nie schlecht Erfahrung damit gesammelt. Wenn, dann wohl eher im hinteren Bereich.

Über die Frage, ob ich eher Dreikantmuscheln oder die normale Teichmuschel als Prototyp nehmen sollte, tauchten auch die ersten Schwierigkeiten auf. Diese bezogen sich konkret auf die Produktion von größeren Mengen. Irgendwie bin ich dann über die Muschelgeschichte auf einen weiteren attraktiven Karpfenköder gestolpert. Den Krebs! (Unter uns, an der Muschelvariante arbeite ich noch) Egal ob Fluss- oder Taschenkrebs, ich stand vor dem gleichen Problem. Die Produktion.

Da muss es doch noch eine andere, einfachere Lösung geben. Erst als ich den Krebs gedanklich in seine Einzelteile zerlegt hatte, kam ich einen entscheidenden Schritt weiter. Ich bastele mir einfach einen Krebs. Der wirkt dann zwar etwas abstrakt, aber das muss ja kein Nachteil sein.

Dazu brauchte ich nur einen „Körper“, einen „Schwanz“ und zwei „Scheren“. Was ich daraus im Einzelnen gemacht habe, könnt ihr den folgenden Bildern entnehmen.

Ihr seht keine komplizierte Sache. Ich bin mir sicher jeder Karpfenangler findet auf Anhieb das nötige Zeug dafür. Zwei sinkende Boilies, einen Pop up und etwas Schnur. Für den Körper sollten wir möglichst harte Boilies benutzen. Und es ist nicht von Nachteil, wenn wir einen Boiliebohrer zur Hand haben. So können wir eine Art Kanal für die Ködernadel schaffen. Das erleichtert das Anbringen der Krebsarme und verhindert, dass der Körper zerbricht. Haben die beiden Pop up Hälften zu viel Auftrieb, hilft ein entsprechendes Schrotblei. Dieses wird dann einfach zwischen Köder und Haken geklemmt. So steht der Krebs in Angriffsstellung.

Ein weitere Punkt, der mir wichtig erscheint, sind die Krebsarme. Sie dürfen nicht zu kurz sein. Das heißt, die „Scheren“ dürfen nicht zu nah am Körper liegen. Warum? Es ist auf der Unterwasseraufnahme nicht zu erkennen, aber die „Scheren“ bewegen sich schon bei kleinsten Druckwellen. Also bei Strömung oder wenn ein Fisch in der unmittelbaren Nähe schwimmt. Genial oder? Der Köder macht durch Winken auf sich aufmerksam. Damit das Winken nicht behindert wird, sollten wir eine weiche, nicht zu dicke Schnur verwenden. Kein Mono! Das ist zu steif.

Nimmt er dieses Ding ins Maul, wird er keine Kugel erkennen, keinen Pellet und keinen Dumbell. Schneemann war gestern! Die Kombi von diesem beweglichen Etwas, gepaart mit einem geschmacklich guten Boilie lässt ihm keine Wahl. Er muss es fressen! Den Haken wird er nicht spüren. Erst, wenn es zu spät ist. Und sollte der Karpfen wirklich an einen Krebs erinnert werden, wird er sein Maul nicht so schnell wieder öffnen.

In seinem Maul hatte mein Krebs genug Platz. Allerdings hat dieser friedliebende Fisch meinen Köder komplett zerlegt.

Universelles Einsatzgebiet:

Der Krebs eignet sich nicht nur für eine Instandfischerei, sondern auch für vorbereitete Plätze. Dann fällt die Wahl der Boiliesorte nicht so schwer.

Wir wissen sehr wohl, dass die lieben Karpfen unseren Spot des Öfteren leer räumen. Allerdings tun sie sich mit unseren Montagen manchmal schwer. Sie bringen die bekannten Köderformen mit Gefahr in Verbindung und fressen vorsichtig. Dann haben wir kaum eine Chance ihn zu Haken. Man kann sich das ungefähr so vorstellen:

Wir essen genüsslich ein Glas eingelegte, entsteinte Kirschen. Ob süß oder sauer obliegt den eigenen Vorstellungen. Plötzlich beißen wir auf einen Kern und drücken uns die zerbrochenen Stücke ins Zahnfleisch. Autsch!!! Weil die Kirschen so lecker sind essen wir natürlich weiter. Allerdings beißen wir jetzt deutlich vorsichtiger zu. Falls noch ein Stein versteckt ist zerbeißen wir ihn nicht, sondern können ihn ohne Probleme ausspucken. Für die Schuppenträger müssen wir den Kirschkern nur noch durch einen Haken ersetzten. Den spuckt er nämlich auch ohne Probleme wieder aus, wenn er damit rechnet.

Da sind wir wieder bei der ursprünglichen Überlegung. Ihr weißt schon: Der Köderform oder wie der Karpfen sagen würde: Das Böse!

Auch er ein Krebsfan. Das Ding war komplett inhaliert.

Mittlerweile habe ich meine ursprüngliche Idee um zwei Varianten erweitert.

Der Taschenkrebs:

Hier benutze ich nur einen Boilie als Körper. Dadurch erhalte ich einen etwas leichteren und kompakteren Köder.

Der tote Krebs:

Hierbei nutze ich als Krebsscheren einfach einen zerteilten, sinkenden Boilie. So liegt das Ding tot an Boden.

Wann welche Kreation am meisten Sinn macht überlasse ich euch. Ich hoffe, ihr könnt mit diesen Krebsvarianten den einen oder anderen kapitalen Moosrücken auf die Matte legen.

Go your own way!

Lars Müller