Naturschauspiel!



Na endlich! Dieses Jahr sind sie wirklich spät dran. Jedes Jahr aufs Neue stellt sich für uns Karpfenangler die Frage: Wann laichen die Karpfen? Sind sie schon fertig? Oder stehen sie kurz davor?

Die Meisten wissen mittlerweile, dass es so ab 18° C Wassertemperatur jederzeit losgehen kann. Aber was heißt jederzeit? Ein dehnbarer Begriff, welcher gut und gerne mehrere Wochen bedeuten kann. Bei konstant steigenden Temperaturen ist es uns wohl am ehesten möglich abzuschätzen, wann es soweit ist. Dieses Jahr glich aber eher einer Achterbahnfahrt.

Dann nach zwei Tagen im Juni mit über 20 Grad und Sonne, von morgens bis abends, war es soweit. Mit den ersten Sonnenstrahlen des dritten Tages begann das Wasser zu kochen.

Am Abend zuvor konnte ich schon einige Fische beobachten. Zuerst ein Trupp großer Brassen. Sie schwammen noch etwas tiefer, aber schon ufernah. Übersäht mit Laichausschlag.

Ich konnte beobachten, wie sie sich gegenseitig trieben. Da sie recht schnell schwammen, war es gar nicht so einfach brauchbare Fotos zu machen.

Es konnte nicht mehr lange dauern, bis sie in die flachen Uferregionen wechseln würden.

Nach und nach gesellten sich auch ein paar Karpfen dazu. Hier hab ich mal einen erwischt. Sie jagten förmlich an mir vorbei. Bis zum Laichen sollten aber noch einige Stunden vergehen. Die Wassertemperatur sank an der Oberfläche, in dieser Nacht, von 22° C auf  17° C.

Warum ist es für uns eigentlich so wichtig zu wissen, wann sie laichen? Die frühere Meinung, dass Karpfen während der gesamten Laichzeit nichts fressen, konnte doch schon des Öfteren widerlegt werden. Meine Erfahrungen sehen hier wie folgt aus: Ungefähr einen Tag vor ihrem Liebesspiel fressen sie fast nichts mehr. Nach dem Laichen dauert es dann wohl nur ein paar Stunden, bis sie langsam wieder damit anfangen. Aufs Jahr gesehen also eine sehr kurze Zeitspanne. Dazu kommt, dass nie alle Karpfen gleichzeitig laichen. So konnte ich dieses Jahr sogar einen Spiegler beim Fressen beobachten. Direkt neben seinen laichenden Artgenossen. Allerdings ist es nicht waidgerecht, die Montagen direkt neben das sprudelnde Wasser zu legen. Hier würde man wohl eher einen Fisch von Außen haken. Und gehakte Fische zählen nun mal nicht!

Also halten wir fest, es ist nicht unmöglich in dieser Zeit einen Fisch zu fangen, aber schwieriger, weil weniger Fische fressen. In der Praxis sind es dann quasi nur zwei Tage, die pro Karpfen wegfallen. Unterstellen wir mal, dass alle zusammen und nur einmal laichen, könnten wir diese zwei Tage getrost zu Hause bleiben. Aber dann verpassen wir womöglich ein beeindruckendes Spektakel.

Genau davon wurde ich am nächsten Morgen geweckt. Das Wasser war schon deutlich trüber, als noch am Abend zuvor. Ufernah sah ich die Karpfen beim Treiben.

Mittendrin die Brassen vom Vortag. Dabei hieß es doch immer, sie würden vor den Karpfen laichen. Aber dieses Jahr hatten sie sich wohl den gleichen Termin ausgesucht.

Es war nicht einfach dieses Schauspiel festzuhalten. Auch, wenn es sich ständig wiederholte, ging es immer sehr schnell. Sobald ich mich gerade neu positioniert hatte, ging das Treiben wo anders los. Dann hatte ich aber endlich mal Glück.

Einige Fische starteten genau in meine Richtung.

Solche Szenen wiederholten sich fast den gesamten Vormittag. Manchmal hörte es sich so an, als würden Badegäste mit Anlauf ins Wasser springen. Wirklich beeindruckend, wenn die großen Exemplare mitmischen.

Beim Aufklaren des Wassers blieb, als Zeuge des Geschehens, die eine oder andere Schuppe zurück. Auch wenn man in dieser Zeit nicht besonders gut fängt, wird man mit etwas Glück mit einem atemberaubenden Naturschauspiel belohnt.

Oft sind eine falsche Platzwahl und die falsche Futtermenge der Grund, warum auch Wochen zuvor nicht mehr gut gefangen wird. Nachdem die Karpfen, für eine Zeit, fast ausnahmslos gefressen haben, senken sie ihren Futterbedarf. Viele Karpfenangler tun das dummer Weise nicht. Ist der Laich aufgebaut, sammeln sich die Karpfen in den späteren Laichgebieten. Selbst dann angeln viele Spezies immer noch da, wo sie zuvor zwar gute Fänge erzielten, jetzt aber kaum noch ein Karpfen zu finden ist.

Gerade während der Laichzeit müssen wir uns an ihre Gewohnheiten anpassen. Diese sind nämlich sehr eingefahren und werden sich auch für uns nicht ändern. Wer sich nicht fügt, fängt zwar keine Karpfen, hat dafür aber etwas mehr Zeit sich an der Natur zu erfreuen.

Lars Müller