Tinca tinca!



Neben dem Graskarpfen ist wohl die Schleie der einzige Schuppenträger bei dem mir der lateinische Name geläufig ist. Tinca tinca! Ich mag diesen Fisch. Seine rötlichen Augen, die goldbraune Färbung, die winzigen Schuppen und die großen, dunkel abgesetzten Flossen.

Die ersten Schleien habe ich durch Zufall gefangen, beim Angeln mit der Festbleimontage. Nichts Ungewöhnliches für einen Karpfenangler. Für mich aber schon, da ich mich eher als Grobmotoriker sehe. Soll heißen: Schwere Bleie, dicke Vorfächer und Haken, die gerne mal als Anker bezeichnet werden. Also nicht gerade eine optimale Kombination um eine Schleie zu überlisten. Trotzdem konnte ich Anfang diesen Jahres zwei Schleien fangen. Mein Ehrgeiz war geweckt.

Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass ich nur zwei Kleinigkeiten an meinen sonst üblichen Festbleimontagen ändern musste um die Schönheit häufiger ans Band zu kriegen. Ihr könnt es euch wahrscheinlich schon denken. Ja, der Haken gehört dazu. Ich tendiere hier zu einem 4er Haken. Um bei der groben Tour zu bleiben, bei etwas größeren Ködern nehme ich gerne auch einen Zweier. So fange ich etwas weniger, dafür aber meistens mit einer stattlichen Größe.

Was hab ich noch gemacht? Ich habe meine Vorfachlänge gekürzt. Mir ist aufgefallen, dass  erheblich mehr Schleien gefangen werden, wenn das Vorfach kurz ist. Bei längeren Rigs hat sie wohl zu viel Spiel. Ich liege hier bei 10 bis max. 15cm.

Das Blei, als Inline oder mit Safty clip, hab ich schwer gelassen. Damit wir zum Erfolg kommen ist der Selbsthakeffekt enorm wichtig. Mein Favorit ist hier ein Flatliner mit 142g. Was die Montage angeht war es das schon. Im Grunde genommen eine normale Festbleimontage. Aber das alleine hat mir noch nicht viele Schleien eingebracht.

Also noch zwei Punkte, die anscheinend wichtig sind. Einmal das Futter und dann die Location. Das Futter sollte eine Nummer kleiner ausfallen. Ich schwöre auf Dosenmais und Boiliestücke bzw. zerdrückte Boilies. Wobei diese süß und kohlenhydratreich sein sollten. Ein paar ganze Kugeln werfe ich natürlich auch immer dazu. Spätestens mit meiner Montage ist mindestens Eine vor Ort. Wo wir gerade vor Ort sind. Wo ist denn genau der Ort, wo wir die Schleien finden?

Wenn es mir möglich ist, fische ich genau an einer Scharkante oder so dicht wie möglich an Unterständen bzw. vor Wasserpflanzen. Das ist relativ oft in unmittelbarer Ufernähe. Ach ja, es hilft ungemein wenn wir ein paar Tage vorfüttern.

Für ihre Körpergröße hat die Schleie verhältnismäßig große Flossen. Das macht sie zu einem sehr kampfstarken Fisch. Allerdings nur an entsprechendem Gerät. An einer Karpfenrute ist auch sie eher chancenlos.

Wer den Drill genießen will, könnte mit einer Light Version mehr Freude haben. Es muss ja nicht immer eine 3Lbs Rute sein. Alles ein wenig kleiner und filigraner bringt bestimmt noch mehr Spaß. In zweierlei Hinsicht. Aber wir sollten bedenken, dass uns hier der Beifang evtl. etwas mehr Power abverlangt. Und es kann nicht in unserem Sinn sein ihn abzureißen!

Tinca tinca! Ich mag sie wirklich. Ich werde mich noch ein wenig mit der groben Fischerei auf die Schätze unserer Gewässer befassen. Aber wer weiß, vielleicht lande ich irgendwann genau da, wo bei mir alles angefangen hat, bei der Stipprute.

Go your own way!

Lars Müller