Geduldsprobe!



Seit heute morgen habe ich Besuch. Ein kleiner Spiegelkarpfen patrouilliert zwischen meinen Rutenspitzen. Ich beobachte ihn aufmerksam. Er sieht hungrig aus. Fast schon etwas abgemagert. Ein wenig mitleidig werfe ich ein paar zerbröckelte Pellets in seine Richtung. Langsam sinken sie zu Boden. Als er sie bemerkt, nimmt er Reißaus. Na toll, nicht gerade ein Pluspunkt für mein Futter.

 

 

 

Die letzten Wochen habe ich ausschließlich den Graskarpfen gewidmet. Dabei musste ich mal wieder feststellen, dass meine favorisierten Gewässer einen wohl eher schlechten Bestand aufweisen. Aber ich will mich nicht beklagen. Mein so genannter Beifang hat mich bei Laune gehalten.

 

Ich schaue auf ´s Wasser und plötzlich ist er wieder da. Wie aus dem Nichts. Der kleine Spiegler. Zielstrebig schwimmt er zu den Pelletstücken. Er senkt den Kopf und saugt das erste Stückchen ein. Entgegen meiner Erwartung spuckt er es nicht wieder aus.

 

Obwohl meine Montagen nicht ganz optimal für die Bartelträger ausgelegt sind, fange ich recht gut. Es sind ein paar richtig schöne Fische dabei. Nur mein Graskarpfen fehlt noch!

 

Der kleine Karpfen fühlt sich anscheinend wohl vor meinen Füßen. Ab und zu frisst er ein wenig von meinem Futter. Interessanter Weise immer nur ein oder zwei Stückchen. Dann macht er Pause. Schwimmt von rechts nach links oder jagt ein paar Kaulquappen über den Grund. Manchmal dauert es über eine Stunde, bis er mal wieder einen Pellet frisst. Ich hätte eigentlich vermutet, dass er direkt den ganzen Platz leer fegt. Aber so kann man sich irren.

 

Ganz unverhofft  bekomme ich einen heftigen aber kurzen Run. Nach dem Anhieb merke ich leichte Kopfschläge aber kaum Widerstand. Der Fisch folgt recht unspektakulär dem Zug meiner Schnur. Plötzlich taucht nicht weit von mir eine Rückenflosse auf. Mir stockt der Atem und dann beginnt der Tanz. Ich kann nicht genau sagen, wie lange dieser Drill gedauert hat. Da ich nervlich etwas angespannt war, würde ich wahrscheinlich übertreiben. Letzten Endes ließ sich der Amur dann doch noch zu einem Landgang überzeugen.

 

 

In solchen Momenten weiß ich wieder, warum ich Gewässer befische, wo es nur eine Hand voll meiner Zielfische gibt. Irgendwie mag ich wohl die Herausforderung und nach solch einem Fang ist die Freude einfach unbeschreiblich.

 

Mein Besuch hat mich mittlerweile verlassen. Wer könnte es ihm verübeln? Und so verabschiede auch ich mich mit den besten Wünschen für eure nächste Wartezeit!

 

Lars Müller