Es wird kalt!



Winterzeit = Karpfenzeit!

Für viele passt das immer noch nicht zusammen. Für mich übt sie aber einen ganz speziellen Reiz aus. Ich gebe zu, dass ich von der langen Saison doch etwas ausgelaugt bin. Da wäre eine Pause gar nicht mal so schlecht. Wobei Pause bei mir eher einer anderen Fischart gleichkommen würde. Ganz ohne kann ich einfach nicht! Es lässt mir aber keine Ruhe. Ich muss noch so viel lernen über das Verhalten der Bartelträger bei niedrigen Wassertemperaturen, dass ich für mich einen Kompromiss finde. Ich werde jede Woche nur eine Nacht fischen.

Nachfolgend könnt ihr mich ein Stück begleiten. Keine Angst, die Kälte spürt man nicht beim Lesen.

 

12 – 13 November 2011

Die Wassertemperatur liegt bei 7° Celsius.

Der See liegt wie ausgestorben vor mir! Die nächsten Wochen werden zeigen, ob ich die richtige Platzwahl getroffen habe. Und vor allem, ob meine Futterstrategie aufgeht.

Der erste Karpfen lässt völlig unerwartet, nach nur einer Stunde, mein Herz höher schlagen.

 

Mit der Dunkelheit folgt der nächste Biss. Leider verliere ich den Fisch nach einem Meter.

 

In dieser Nacht kann ich noch drei weiter Spiegelkarpfen in den Kescher führen. Mit Ausnahme von einem Fisch, der sich für diese Temperatur wirklich gut geschlagen hat, waren die anderen Fische schon recht lethargisch.

 

Das folgende Bild zeigt recht gut, wie kalt diese Nacht war.

 

 

18 – 19 November 2011

 

Eine Woche später. Es hat jede Nacht gefroren. Der einzige Pluspunkt: Es war windstill. Dadurch hat sich das Wasser nur sehr langsam abgekühlt. Die Temperatur liegt jetzt bei 6° Celsius.

 

Ich habe meine ohnehin schon geringe Futtermenge um knapp die Hälfte reduziert.

 

Auch meine Erwartungen sind gering. Sollte ich einen Fisch fangen, bin ich zufrieden. Ich weiß aus Erfahrung, dass selbst eine gut vorbereitete Stelle, bei diesen Temperaturen, nicht jede Nacht einen Fisch bringt.

 

Um noch ein paar Stunden im Hellen zu genießen, beende ich heute meine Arbeit etwas früher. Ab ans Wasser.

 

 

Richtige Entscheidung! Der erste Karpfen ließ nicht lange auf sich warten. Was sollte jetzt noch passieren?

 

 

Fisch Nummer Zwei!

 

 

Gefolgt von Nummer Drei!

 

Irgendwas habe ich wohl richtig gemacht. Es Läuft! Und das richtig gut!

 

 

Nummer Vier!

 

 

Woran ich mich einfach nicht gewöhnen kann, sind die kalten Hände im Wasser. Da ich zum Wohle der Fische den Haken immer im Wasser löse, muss ich doch das eine oder andere Mal die Zähne zusammenbeißen, wenn es nicht sofort klappt. Mit einer Hand ist das manchmal gar nicht so einfach!

 

 

Nummer Fünf!

 

 

Nummer Sechs!

 

 

Und der Letzte für Heute. Nummer Sieben!

 

Wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich aufhören. Ich halte zwar nichts davon, aber meine Freundin! ;-)

Bis gleich Schatz!

 

Übrigens habe ich die Fische Vier bis Sechs nachts gefangen. Da ich wusste, dass mein Kollege David in den frühen Morgenstunden vorbei kommen wollte, wurde die Fotosession einfach etwas verschoben.

 

25 – 26 November 2011

 

Wieder eine Woche später. Anfangs liegt die Wassertemperatur noch bei 6° Celsius, wird im Laufe dieser Nacht allerdings auf 5° Celsius fallen, wie sich später herausstellen wird. Verantwortlich dafür ist ein frischer Wind und kalter Regen.

 

Meine Futtermenge habe ich nicht verändert. Noch nicht!?

 

Heute Nacht werde ich von Michael begleitet. Und der Abend fängt verheißungsvoll an. Nach nicht einmal 20 Minuten neigt sich meine Rute.

 

 

Ein gewichtiger Spiegelkarpfen ist das Resultat.

 

Leider geht es so nicht weiter. Erst nach einer Pizza und etlichen Stunden funkstille, vernehme ich im Halbschlaf meinen Pieper.

 

 

Ein weiterer Fisch ist uns in dieser Nacht nicht gegönnt.

 

02 – 04 Dezember 2011

 

Die Wassertemperatur liegt immer noch bei 5° Celsius. Dieses Wochenende bin ich mal wieder alleine unterwegs.

 

Nach ein paar Stunden fange ich an zu Zweifeln. Ob das wohl die erste Nullrunde wird? Es vergehen noch fast zwei Stunden, bis sich mein Bissanzeiger das erste Mal meldet.

 

 

Gerettet! Keine Nullrunde!

 

Keine Stunde später meldet sich die gleiche Rute noch einmal zu Wort. Und wieder pumpe ich einen Fisch ohne Gegenwehr ins Netz. Im Licht meiner Kopflampe erkenne ich einen Spiegler.

 

 

Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass meine Abhakmatte komplett gefroren ist. Eine richtige Eisschicht. Etwas ungläubig schau ich nach oben und sehe einen sternenklaren Himmel.

 

Ich mache mir Sorgen um meine Ruten. Wenn die nassen Rollen festfrieren, könnte das böse enden. Gut, dass die Karpfen keinen Vollrun mehr hinlegen.

 

Einige Zeit später muss ich meine Gedanken revidieren. Dauerton! Diesmal die andere Rute. Ich setzte den Anhieb und der Fisch nimmt mir direkt ein paar Meter Schnur von der Rolle. Was ist denn jetzt los? Seit wann kämpft ihr bei 5° Wasser? Ich bin wirklich gespannt auf diesen Fisch.

 

Ich glaube die Enttäuschung stand mir ins Gesicht geschrieben, als er vor mir auftauchte. Ein Spiegelkarpfen um die 20 Pfund. Machs gut kleiner!

 

Der Himmel hat sich mittlerweile zugezogen. Was bei dem Vollrun vielleicht mein Glück war. Es ist etwas wärmer geworden. In der zweiten Nachthälfte beginnt es zu stürmen und es regnet in strömen. Von da an fange ich keinen Fisch mehr.

 

 

Hier mein Köder für die kalte Jahreszeit. Verratet es nicht weiter. Es ist ein Boilie!

 

Da die Karpfen ihren Stoffwechsel mit sinkenden Temperaturen immer weiter runter fahren, ändert sich auch ihr Fressverhalten. Ihr Darm ist nicht mehr in der Lage zu komplexe Inhaltsstoffe zu verarbeiten.

 

Das sollten unsere Köder unbedingt berücksichtigen. Standartboilies ade!

 

10 – 11 Dezember 2011

 

Keine guten Aussichten. Es hat fast die ganze Woche geregnet. Sogar Hagel und Schnee war dabei. Der Wind hat sein übriges getan und die Wasserschichten ständig vermischt.

 

In weiser Voraussicht habe ich meine Futtermenge nochmals halbiert.

 

Meine Befürchtungen bestätigen sich, die Wassertemperatur liegt nur noch bei 4° Celsius.

 

 

Eine Vollmondnacht mit Regen und viel Wind. Ich habe das Gefühl, dass die Wassertemperatur in dieser Nacht ein weiteres Grad verloren hat.

 

Etwas später bestätigt mir mein Thermometer die vermuteten drei Grad.

 

Meine erste Nacht ohne Fisch!

 

17 – 18 Dezember 2011

 

Das Wasser hat die Temperatur von drei Grad über die Woche konstant gehalten. Ich weiß noch nicht, ob ich das gut finden soll. Einerseits ist das Wasser so kalt, dass bereits eine windstille Nacht mit Minusgraden reicht, um den See zu verschließen. Andererseits gibt es eine Konstante, die mich wenigstens etwas hoffen lässt. Vielleicht habe ich ja Glück.

 

 

Ich mache es kurz. Ich hatte kein Glück!

 

Das letzte Foto ist sehr schlicht und einfach, hat aber eine gewisse Aussagekraft. Wer zu dieser Jahreszeit auf Karpfen fischt, ist meistens einsam in einer kalten und grauen Welt. Hier fühle ich mich irgendwie wie ein … Outsider!

 

Ich hätte euch gerne noch ein paar schöne Fische gezeigt, leider ist bei mir für dieses Jahr Schluss mit der Karpfenfischerei. Meine nächste Nacht werde ich wohl oder übel auf das nächste Jahr verschieben müssen. Was so verheißungsvoll anfing endet mit etwas ganz normalem beim Winterfischen: Einem Vollblank!

 

Ich wünsche euch besinnliche Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Und euren Traumfisch für 2012!

 

Lars Müller