Auf der Flucht!



Es ist wirklich schön, dass sich gerade das Karpfenangeln so großer Beliebtheit erfreut. In den letzten Jahren wurde ein regelrechter Trend losgetrampelt. Auch wenn man seine Leidenschaft gerne mit anderen teilt, gibt es da einen kleinen Haken. Die Zahl der Karpfenangler wächst stetig, nicht aber die zu beangelnden Gewässer! Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis man sich gegenseitig auf die Füße tritt. Von den Problemen, die damit einhergehen, können schon heute die Meisten ein Lied singen. Viele davon sind zwischenmenschlicher Natur, aber auch die Fische bekommen den Druck zu spüren. An fast jedem Gewässer gibt es Stellen, die waren über Jahre unschlagbar, was ihre Fängigkeit anging. Heute sind viele von ihnen tot! Sie wurden so kaputt gefischt, dass manche Fische sie sogar auf Jahre meiden. Zurück bleibt, wie ich finde ein sehr passender Ausdruck: Verbrannte Erde! War man früher auf der Suche nach großen Fischen, ist man heute auf einer eher verzweifelten Suche. Einer Suche nach einsamen Gewässern.

Ist es da ein Wunder, wenn man beim Anblick eines Karpfenanglers schlechte Laune bekommt? Karpfenangler und ihre Allüren! Dummer Weise muss ich mich wohl selbst zu dieser Gattung zählen. Aber mit etwas Eigenhumor kann ich ganz gut damit leben. Überall, wo sich der Kontakt zu anderen Menschen nicht vermeiden lässt, ist Toleranz und Respekt eine Grundvoraussetzung für ein vernünftiges Miteinander. Das gilt auch am Wasser! Wer das nicht begreifen will, wird es in Zukunft nicht leicht haben.

Wie ein Karpfen vor dem Kescher flüchtet, so versuche ich vor den Massen zu flüchten. Aber manche Gewässer haben mich so in ihren Bann gezogen, dass ich sie einfach nicht aufgeben will! Man sagt mir nach, dass ich ein verdammter Optimist bin. Da sollte mir doch wenigstens etwas Positives zu diesem Thema einfallen. Den Lauf der Zeit kann man nun mal nicht ändern. Aber Menschen sind einfach zu berechnen, da bilden wir Angler keine Ausnahme. Wir wollen Fische fangen und Stellen, die wiederholt keinen Erfolg bringen, werden gemieden. Irgendwann können dann die ersten grünen Triebe den toten Boden wieder durchbrechen. Mit genügend Zeit, werden sich auch die Karpfen wieder einfinden! Bis dahin sollte man wohl die überlaufenen Stellen meiden und versuchen aus den noch verbleibenden, unscheinbaren Fleckchen das Beste zu machen!

In noch keinem Jahr zuvor musste ich so viele Stellen zu Gunsten anderer Kollegen aufgeben. Was für mich einem Spießrutenlauf gleicht, ist für die Karpfen wohl das Spiel mit dem Feuer. Ein paar von ihnen haben sich auch diesem Monat an meinem Haken verbrannt!

Go your own way!

Lars Müller