Der erste Versuch!



Anfang April, die Wassertemperaturen sind mittlerweile zweistellig. Für mich höchste Zeit einen Versuch auf die eher schlanken Schuppenträger zu starten. Im Visier habe ich gleich zwei Gewässer, die in ihrer Art und Weise völlig verschieden sind. Eins ist eher flach mit viel Kraut, das andere eher tief mit wenig Kraut. Da ich das tiefere Gewässer fast doppelt so lange vorbereiten will, führt mein erster Weg an seine Ufer. Beim Suchen einer geeigneten Stelle habe ich wohl einen Haubentaucher von seinem Nest aufgeschreckt. Aus Versehen versteht sich! Ich genieße es jedes Mal, wenn ich dieses Gewässer besuchen darf. Hier scheint die Natur noch völlig intakt zu sein. Eine andere Welt, die es zu bewahren gilt. Bewaffnet mit einer Lotrute finde ich dann auch irgendwann einen geeigneten Spot. In den kommenden Tagen muss ich leider feststellen, dass alle, wirklich alle, Reiherenten meinen Platz zum fressen gerne haben. Woran mein Futter bestimmt eine kleine Mitschuld trägt. Sie erwarten mich jeden Abend sehnsüchtig. Kein gutes Zeichen! Da ich die Befürchtung habe, dass sie auch nachts tauchen, streue ich das Futter etwas weiter. In der Hoffnung, dass wenigstens ein Bruchteil den Grasfischen übrig bleibt. Sollten diese hier überhaupt vorbei kommen.

Beim zweiten Gewässer habe ich etwas mehr Glück mit den Wasservögeln. Hier gibt es so viele Karpfenangler, dass sie völlig überfordert sind. Ich glaube die Karpfen auch! Na ja, mein Spot liegt wohl zu ungünstig für Blesshuhn und Co. Hoffentlich nicht auch für die Graskarpfen!

Das ersehnte Wochenende naht. Zwei Nächte Zeit einen Amur auf die Schuppen zu legen. Leider nur jeweils Eine pro Spot. Ich beginne erst in der Dämmerung an meiner mit Reiherenten verseuchten Stelle. Zu meiner Freude haben sich auch noch einige Blesshühner eingefunden. Mit Einsetzen der Dunkelheit kann ich irgendwas über meinem Spot buckeln sehen. Leider ist es nicht genau zu erkennen. Ich vermute eine Brasse, da es in meinen Augen zu klein für einen Grasfisch war. Im Laufe der Nacht, kann ich dies öfter beobachten. Nur komisch, dass ich keine Pieper bekomme. Bei einem Schwarm Brassen wäre diese Ruhe normalerweise fehl am Platz. Na ja, langweilig wird es auf jeden Fall nicht. Wie vermutet, tauchen die Reiherenten auch nachts. So versuche ich verzweifelt meine Stelle mit einer Taschenlampe Entenfrei zu halten. Sobald ich höre, wie sich ein Trupp nähert, schalte ich kurz die Lampe an und sie fliegen davon. Spätestens nach einer halben Stunde sind sie dann aber wieder auf dem Vormarsch. Irgendwie hatte ich mir das alles anders vorgestellt. Als mich die Müdigkeit überkommt, werden mir die Kotzenten egal und ich gebe die Stelle frei. Dann reißt mich plötzlich ein bekanntes Geräusch aus dem Schlaf. Ein Run, der nach einem Meter endet. Kurz danach stehe ich völlig benommen vor den Ruten und frage mich: Welche?

Der Pieper leuchtet nicht mehr und die Swinger hängen ganz normal. Ich nehme die erste Rute in die Hand und versuche Fühlung aufzunehmen – nur das Blei – bei der Zweiten dann ein kleiner Ruck! Ich schlage an und spüre etwas Widerstand. Er hängt noch! Ich führe den Fisch ohne Gegenwehr ins Netz. Erst beim Anheben beginnt er zu toben. Im Schein meiner Kopflampe kann ich einen kleinen Graser erkennen. Er sieht ziemlich verloren in dem großen Netz aus. Aber immerhin, ein Graskarpfen! Da ich die ganze Aktion eigentlich schon abgehakt hatte, konnte ich mich sogar über diesen kleinen Fisch freuen. Jetzt wurde mir auch klar, was ich da immer wieder an der Oberfläche sehen konnte. Kleine Graskarpfen! Wo auch immer die her kamen. Mir war nicht bewusst, dass es hier so Kleine davon gibt.

Der nächste Abend. Wieder habe ich in der Dämmerung aufgebaut. Sitze auf meiner Liege und bin einfach nur glücklich, dass ich weit und breit keine Wasservögel sehen kann. Gerade als ich etwas essen will, fällt mein Swinger runter und knallt im gleichen Moment gegen den Blank. Für einige Sekunden kreischt die Bremse. Ich springe förmlich zur Rute und setzte den Anhieb. Sie wird mir fast aus der Hand gerissen und es folgt eine heftige Flucht. Kein Halten! Als ich den Fisch endlich pumpen kann, ziehe ich meine Watstiefel an. Gar nicht so einfach, die Schnur dabei auf Spannung zu halten. Ich schnapp mir den Kescher und gehe dem Fisch entgegen. Er folgt jetzt einfach dem Zug der Schnur. Als er vor mir auftaucht, bekomme ich doch etwas weiche Knie. Die letzten Meter war er einfach zu ruhig. Bei leichtem Mondlicht klappt aber direkt der erste Landeversuch. Dabei explodiert der Amur so heftig, dass ich seine Kraft mit zwei Schritten abfangen muss. In solchen Momenten bin ich froh, wenn das Netz hält. Und über ein paar Ersatzklamotten. Es hat geklappt! Überglücklich rufe ich David an, der sich direkt auf den Weg macht um ein paar Fotos zu schießen.

Ich war erstaunt, wie gut der Grasfisch nach der langen Winterpause genährt war. Im Laufe der Nacht kann ich als Beifang noch zwei Mutantenbrassen und zwei schöne Spiegler fangen!

Was für eine Nacht!

Lars Müller