Barsch ärgere dich nicht!



Es ist einer dieser Tage, an denen man sich ganz klein fühlt. Einfach mies! Nicht, dass es dafür einen bestimmten Grund gibt. Frust braucht wohl keinen! Und genau das macht es ja so deprimierend. Wenn ich von Selbstzweifel zerfressen werde, wenn mir alles und jeder auf den Sack geht, dann ist es höchste Zeit. Ab ans Wasser! Selbst wenn es nur für eine Stunde ist. Mit einer leichten Spinnrute fische ich mir den Frust von der Seele! Am liebsten ärgere ich Barsche, die an filigranem Gerät durchaus einen gewissen Kampfgeist entwickeln.

Das konzentrierte Führen der Köder, der Anhieb zur rechten Zeit und das vorsichtige Drillen lässt mich alles andere vergessen. Das zwitschern der Vögel, die frische Luft und die Ruhe am Wasser. Hier bekomme ich wieder einen freien Kopf. Stress ade! So war es auch diesen Tag. Da ich nur noch eine gute Stunde bis zur Dunkelheit hatte, viel meine Wahl auf ein nah gelegenen Altarm. Seit über zehn Jahren fische ich sehr erfolgreich mit einer Seitenarmmontage. Ich nenne sie ganz einfach Schlaufenmontage. Sie ist simpel zu binden und fängt! Im Grunde besteht sie nur aus Schlaufen. Zu erst bindet man eine große Schlaufe, mit drei Umwindungen. Dann zerschneidet man sie. Und zwar so, dass ein Seitenarm doppelt so lang wird, wie der andere. Am kurzen Arm befestigt man ein Bleigewicht, wieder mit einer Schlaufe. Der lange Arm ist für den Haken, welcher ebenfalls mit einer Schlaufe befestigt werden kann. Meine Montage an diesem Abend bestand aus einem 5g Birnenblei, einem 2er Karpfenhaken und einem kleinen weißen Twister. Nach dem ersten Wurf zupfte ich das Blei langsam über den Grund. Schon nach ein paar Sekunden spürte ich leichten Widerstand. Anhieb! Sitzt! Der erste Barsch. Nicht groß, aber ein guter Anfang.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Fast jeder Wurf ein Treffer. Nach meinem ersten Fehlbiss, ist die Rute dann endlich richtig krumm. Dumpfe, kurze Kopfschläge lassen mich hoffen, dass es kein Hecht ist. Vorsichtig pumpe ich den Fisch. Er schwimmt zur Seite auf mich zu. Ich erhöhe den Druck ein wenig um ihn von den Ästen im Wasser fern zu halten. Es klappt. Er kommt hoch. Yes!!! Ein Barsch! Ein stattlicher Stachelritter von über vierzig Zentimeter. Sein Bauch scheint voll mit Laich zu sein. Leider bin ich alleine und so lasse ich ihn schnell wieder ins Wasser gleiten. Wenn schon kein Fotoapparat, dann richtig. Ich fange in der mir verbleibenden Zeit noch zwei weitere Barsche von mindestens vierzig Zentimeter. In der Summe 33 Barsche, davon viele über 30 Zentimeter. Ein traumhaftes Fischen! Für den Rest des Tages war ich glücklich und zufrieden.

Ratet mal, wo ich meinen nächsten Feierabend verbracht habe? Genau! Nur lief es mit den Barschen anfangs nicht ganz so gut. Ein paar Halbstarke!

Ist ja wieder typisch, dachte ich mir. Heute hab ich einen Fotoapparat dabei und fang nur Kleine. Aber hilft ja nichts. Neue Stelle, neues Glück. Und wirklich, die Barsche stürzten sich wieder auf meinen Twister.

Ging der Anhieb mal ins Leere, erfolgte direkt nach ein, zwei weiteren Zupfern der nächste Biss. Ich fing im Minutentakt. Genau passend kam mein Arbeitskollege Andre vorbei. So gab es wenigstens noch ein paar Erinnerungsfotos.

Man mag es kaum glauben, aber manche Barsche sind an feinem Gerät wirklich gute Kämpfer. So mancher Bursche brachte sogar meine Bremse zum kreischen.

Die Bisse mit der Schlaufenmontage sind sehr unterschiedlich. Ab und zu gibt es einen heftigen Ruck in die Rute, wie beim normalen Spinnfischen. Meistens aber nur kleine Rucke oder der Widerstand wächst einfach. Es bedarf schon ein wenig Übung, bis man den Bodenkontakt von einem Biss unterscheiden kann.

Diese Montage funktioniert so gut, weil der Köder immer in der passenden Tiefe angeboten wird. Egal auf welche Distanz man fischt. Dazu kann sie relativ langsam geführt werden. Eine Kombination, die wohl jeder Barsch als Ärgernis ansieht. Ich bin immer wieder fasziniert, von der Schönheit dieser Fische. Ihr gestreiftes Schuppenkleid, die roten Flossen und mit welcher Pracht sie ihre Rückenflosse zur Schau stellen.

Mein letzter Barsch für diesen Tag. Mein Resümee: In zwei Tagen, sprich zweieinhalb Stunden habe ich über 60 Barsche gefangen. Eine genaue Zahl hab ich leider nicht, da ich beim Zählen durcheinander gekommen bin. Davon sechs Barsche über vierzig Zentimeter! Wer solche Stunden am Wasser erleben darf, sollte sich bewusst sein, wie viel Verantwortung in seinen Händen liegt. Bereits zu viele Gewässer wurden ihrer größten Schätze beraubt!

Lars Müller